Facebook will Ausnahme von Drosselung durch Netzbetreiber

  • 11022014
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    © fb.com

    Für Smartphone-Nutzer ist die Drosselung mobiler Flatrates schon seit deren Einführung ein Dorn im Auge. Offenbar stören sich aber zunehmend auch Unternehmen, die besonders stark auf den Traffic von Mobilgeräten angewiesen sind, an den Beschränkungen.

    Dies belegt die an die Netzbetreiber gestellte Forderung von Facebook, von der Drosselung ausgenommen zu werden. Mit diesem Anliegen stößt man jedoch nicht nur bei den Providern auf wenig Gegenliebe. Bekannt geworden ist der Wunsch durch einen Bericht der "Financial Times", die sich auf Vodafone-Chef Vittorio Colao beruft. Colao zufolge war Facebooks COO Sheryl Sandberg auf sein Unternehmen zugegangen, um Sonderkonditionen für Facebook auszuhandeln. Nach ihrem Wunsch soll die Kommunikation zwischen Nutzern und dem sozialen Netzwerk ohne Einschränkungen durchgeleitet werden, selbst wenn das monatliche Datenlimit bereits erreicht ist.

    Ausnahme für Facebook gibt es nicht umsonst

    Ohne Gegenleistungen will man dies bei Vodafone allerdings nicht gewähren. Schließlich gebe es keinen Grund, die Netzwerkkapazitäten umsonst zur Verfügung zu stellen, so der Vodafone-Chef. Im Klartext: Wenn Facebook eine Ausnahmeregelung will, soll man dafür zahlen. Dass der Betreiber des Sozialnetzwerks dazu durchaus bereit ist, legen bereits getroffene Vereinbarungen mit anderen Netzbetreibern nahe, die Facebook tatsächlich von der regulären Abrechnung ausnehmen.

    Kritiker sehen Netzneutralität in Gefahr

    Netzaktivisten sehen darin das für Internetnutzer denkbar ungünstigste Szenario, da diese Ausnahmeregelungen die Netzneutralität untergraben. Während andere Dienste durch die Drosselung nur noch schlecht erreichbar sind, bleibt Facebook gut nutzbar, was der Webseite einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschafft. Wird dieser gegen Zahlungen erkauft, wirkt sich das für andere Anbieter umso drastischer aus.

    Man befürchtet, dass es die Vereinbarungen neuen Webseiten mit wenig Kapital künftig schwerer machen werden, sich gegen etablierte Angebote durchzusetzen. Insbesondere bei Diensten, die ein sehr hohes Datenaufkommen verursachen, sorgt die Drosselung dafür, dass die Nutzung unattraktiv wird. Neue Ideen für Netzanwendungen können so schon von vornherein zum Scheitern verurteilt sein, wenn sich keine Kapitalgeber finden.

    Gesetzliche Regelung steht noch aus

    Aus diesem Grund gibt es immer wieder Forderungen, die Netzneutralität - also die Gleichbehandlung aller Internetangebote und Datenpakete - gesetzlich zu verankern. Damit war man in Deutschland bisher aber nur teilweise erfolgreich. So bekennt sich die seit Ende 2013 regierende große Koalition zwar wie die Vorgängerregierung zur Netzneutralität, ein entsprechendes Gesetz wurde bisher aber noch nicht verabschiedet. Auslöser der jüngsten Diskussionen um das Thema waren die mittlerweile auf Eis gelegten Pläne der Telekom, Festnetzanschlüsse künftig wie Mobilfunkanschlüsse zu drosseln, zahlende Partner davon aber auszunehmen.

    Ralf Schmidl  
    Autor:
    Ralf Schmidl
    Datum:
    11.02.2014
    Tags:
    Mobiles internet, Vodafone, Telekom, Facebook, Drosselung, Netzneutralität

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