Google-Motorola rollt den IT-Wettbewerb im Mobil-Segment neu auf
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16082011
© netzwelt.deIm Zentrum der ersten Kommentare nach dem Bekanntwerden des Verkaufs der Motorola Mobility an Google stand die Vermutung, dass der IT-Gigant damit vor allem die Patentmacht erwerben wollte, die ihm bislang fehlte. Heutige Beobachter argumentierten deutlich differenzierter. Sicher geht es in einem Hauptstrang der Google-Neupositionierung um Patente: Die Patentkämpfe der globalen IT-Player seinen inzwischen mit dem Kalten Krieg vergleichbar - die Streitigkeiten enden oft mit einem Vergleich und damit - bis zur nächsten Runde - einem "Gleichgewicht des Schreckens".
Mit dem Motorola-Patent-Portfolio agiert Google künftig erstmalig auf Augenhöhe mit der Konkurrenz - Motorola bringt rund 17.000 Patente, 7.500 Patentanträge sowie eine leistungsfähige Entwicklungsabteilung in die neue Ehe ein. Gleichzeitig definiert die Motorola-Übernahme den Wettbewerb im Mobilfunk-Sektor jedoch auch grundsätzlich neu.
Motorola komplettiert das Android-Ökosystem
Der deutsche Patent-Experte Florian Müller warnte heute davor, die Übernahme ausschließlich als Patentgeschäft zu sehen - vor allem ginge es über Googles maximale Kontrolle über Android. Die bisher wichtigsten Android-Partner HTC und Samsung hätten mittelfristig keine Chance, an der Hardware-Front mit Google-Motorola zu konkurrieren. Hinzu kommt, dass Google dringend auf neue Umsatzquellen angewiesen ist: Die Finanzkraft des Konzerns speist sich bislang fast ausschließlich aus seiner Suchmaschinen-Werbung.
Android ist zwar weltweit extrem erfolgreich, stellt aber durch den Open Source-Charakter zumindest bisher keine Umsatzsäule dar. Der Motorola-Kauf erscheint vor diesem Hintergrund vor allem als Schritt zu einem vollständigen - und gewinnträchtigen - Android-Ökosystem analog zu Apples iOS-Universum. Das Fazit: Mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages ist Google nicht mehr Partner, sondern direkter Konkurrent.
Folgt eine Diversifizierung der Systeme?
Die "New York Times" merkte heute an, dass alle früheren Versuche, durch "unabhängige" Software- und Hardware-Units auch externe Unternehmen an das eigene System zu binden, gescheitert seien und nannte Apple und Palm dafür als prominentes Beispiel. Die Konsequenz dieser Erkenntnis für das neue Wettbewerbs-Szenario ist bislang offen. Möglich ist, dass perspektivisch auch Microsoft von der Motorola-Übernahme profitiert.
Als zweite Option wurde heute die Diversifizierung der mobilen Betriebssysteme diskutiert. Bereits jetzt gibt es einen unterschwelligen Trend in diese Richtung: Samsung ist mit seiner Bada-Software bereits am Start, HTC setzt - neben einer Microsoft-Kooperation - auf seine hauseigene, allerdings Android-basierte, Benutzeroberfläche Sense. Außerdem gibt es HP mit seinem WebOS und - zukünftig vielleicht wichtig - das Linux-Derivat MeeGo als bisher uneingeschränktes Open Source-System.
Auch Microsoft macht mobil
Inzwischen macht auch Microsoft mobil. Andy Lees, der Chef der Microsoft-Mobilfunk-Sparte, sagte bereits gestern, dass nach der Motorola-Übernahme Windows Phone 7 die einzige offene Software-Plattform im Mobilfunk-Sektor sei und formulierte damit sowohl eine direkte Kampfansage an Google als auch eine Einladung an alle Hersteller von Smartphones und - bisher eher perspektivisch - Tablets. Die Redmonder glauben ausdrücklich nicht, dass die Gleichbehandlung aller Hersteller von Android-Geräten nach der Schaffung einer Google-eigenen Hardware-Basis Bestand hat und wollen jetzt ihr Windows-Konzept als "Software für alle" auf ihr mobiles Konzept übertragen.
Unterdessen machten Meldungen die Runde, dass der Google-Motorola-Deal um Fünf vor Zwölf erfolgte. Neben anderen Interessenten habe auch Microsoft bereits seine Kreise um die angeschlagene Motorola Mobility gezogen. Angeblich setzte Motorola-CEO Sanjay Jha am Ende - vor knapp fünf Wochen - dem Google-Management die "Pistole auf die Brust" und erzwang damit sowohl den hohen Preis als auch die Übernahme des gesamten Unternehmens. Interessant sind auch die ausgehandelten Konditionen für den Fall des Platzens der Verträge - sollten die Wettbewerbswächter ihr Veto gegen den Verkauf geltend machen, muss Google die sehr hohe Vertragsstrafe von 2,5 Milliarden US-Dollar an Motorola zahlen.
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