EU will mehr Wettbewerb in den Roaming-Markt bringen

  • 06072011

    Die EU-Medienkommissarin Neelie Kroes fordert seit längerem strukturelle und nachhaltige Lösungen für das innereuropäische Roaming - heute Vormittag legte die EU-Kommission einen langfristigen Maßnahmenkatalog mit gestaffelten Änderungen bis Juli 2014 vor.

    Die EU will damit mehr Wettbewerb in den europäischen Roaming-Markt bringen - die Endkunden der Mobilfunkanbieter sollen preislich und im Hinblick auf Anbieter-Alternativen auch im Ausland profitieren.

    Ab 2015 gleiche Tarife für In- und Ausland innerhalb der EU

    Nach der bisherigen EU-Roaming-Verordnung müssen die Betreiber der Mobilfunknetze bis zum 30. Juni 2012 ihre Minutentarife für ausgehende Anrufe auf mindestens 35 Cent (derzeit 39 Cent) und für eingehende Anrufe auf elf Cent (derzeit 15 Cent) senken. Die aus dem Jahr 2007 stammende Verordnung läuft im nächsten Jahr aus - der aktuelle Maßnahmenkatalog steckt die Rahmenbedingungen für die Nachfolgeverordnung ab, der das Europäische Parlament und die EU-Staaten allerdings noch zustimmen müssen.

    Bis 2014 sollen die Roaming-Obergrenzen nochmals deutlich limitiert werden - erklärtes Ziel der EU-Kommission ist, dass ab 2015 die Handynutzung im EU-Ausland nicht teurer ist als im Inland. Zur Wettbewerbsbelebung sollen Handy-Kunden zudem ab Juli 2014 im Ausland vorübergehend den Roaming-Dienst eines anderen Netzanbieters nutzen können. Ihre inländische Rufnummer dürfen sie dabei behalten.

    Daten-Roaming wird Teil der neuen Verordnung

    Erstmals sollen auch mobile Datentarife in die Roaming-Verordnung aufgenommen werden. Bisher existieren keine Regelungen für das Daten-Roaming. Surfer, die ohne vorherigen Tarifcheck mit ihren Handys oder Smartphones im Ausland online gingen, erlebten bei der nächsten Rechnung oft böse Überraschungen mit Rechnungsbeträgen von einigen Tausend Euro. Frau Kroes empfahl jetzt Preisobergrenzen von 90 Cent pro MByte ab 1. Juli 2012, in den beiden darauffolgenden Jahren sollen es dann 70 und 50 Cent werden. Gleichzeitig sollen ein Preislimit von etwa 50 Euro oder eine Volumenobergrenze für das mobile Surfen im EU-Ausland eingeführt werden - die Netzbetreiber wären dann verpflichtet, die Verbindung bei Erreichen dieses Limits zu trennen, falls der Kunde nicht ausdrücklich freigeschaltet bleiben möchte.

    Beobachter des mobilen Datenmarktes befürchten allerdings, dass die Netzbetreiber Verluste aus dem Daten-Roaming innerhalb der EU mit explodierenden Preisen im übrigen Auslandsgeschäft wieder einfahren werden. Damit droht Verbrauchern eine neue Kostenfalle, auf die sie sich mit ihrem Surfverhalten unterwegs schon jetzt einstellen sollten.

    Ein einheitlicher europäischer Mobilfunkmarkt?

    Zur Realisierung des Gesamtpaketes sollen die Telekommunikationsunternehmen die Funknetze anderer EU-Länder zu regulären Großhandelspreisen nutzen dürfen. Anbieter ohne eigenes Netz sollen einen leichteren Zugang zu den Ressourcen der ausländischen Mobilfunk-Wettbewerber erhalten. Die Vision hinter dem Entwurf der neuen EU-Roaming-Verordnung läuft in ihrem Kern auf einen einheitlichen europäischen Mobilfunkmarkt hinaus.

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