Neelie Kroes: Anbieter sollen Roaming-Gebühren freiwillig aufgeben

  • 10092013
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    © telekom.com

    Entgegen früherer Berichte hält die EU-Kommission weiter an der Abschaffung der Roaming-Gebühren fest. Zuletzt hatten Medien berichtet, dass dieses Vorhaben unter dem Druck der Mobilfunkbranche aus dem jüngsten Gesetzesentwurf gestrichen wurde.

    Tatsächlich wurde das ursprüngliche Vorhaben fallen gelassen, die Gebühren zu deckeln und schließlich per Gesetz gänzlich abzuschaffen, eine Neuregelung soll die Telefonanbieter nun aber von der freiwilligen Aufgabe der Roaming-Praxis überzeugen.

    Roaming soll unattraktiv werden

    Neelie Kroes, EU-Digitalkommissarin und federführende Verantwortliche, hält dabei auch am ursprünglichen Zeitplan fest und geht davon aus, dass die heute noch üblichen Zusatzkosten für Auslandsverbindungen bis 2016 Geschichte sind. Möglich soll dies durch neue Auflagen werden. Der Gesetzentwurf der EU-Kommissarin sieht vor, dass die Telekommunikationsunternehmen ab 2014 freiwillig auf die Gebühren verzichten oder sich dazu verpflichten, Auslandsreisende für den Abschluss von Kurzzeitverträgen mit ausländischen Anbietern aus ihrem Vertrag zu entlassen.

    Der Wechsel soll sich dabei für den Kunden möglichst einfach gestalten. Kurzzeitverträge sollen Kroes' Plänen zufolge sogar per SMS abgeschlossen werden können, Rufnummer und SIM-Karte die gleichen bleiben. Im Idealfall hätte der Auslandsreisende so kaum Mehraufwand, würde aber dank der günstigen Lokaltarife sparen. Auf der anderen Seite soll sich für den Netzbetreiber eine Doppelbelastung ergeben: Zum einen würden neben den Roaming-Gebühren auch die Einnahmen für die im Ausland geführten Gespräche wegfallen, zum anderen muss der heimische Anbieter nach der Reise die Abrechnung übernehmen. Dadurch soll das bisherige Roaming-Modell für die Verantwortlichen schlicht zu unattraktiv werden.

    Branche droht mit Umlagerung der Einnahmeneinbußen

    Auf Widerstand stoßen diese Pläne bei den Telekommunikationsanbietern, die um den Wegfall von Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich fürchten. Der Branchenverband Bitkom drohte indirekt bereits an, dass man die Verluste auf die normalen Telefonkosten umlegen könnte. "Eine Abschaffung der Roaming-Gebühren würde das komplette Preisgefüge in der Mobilkommunikation ins Rutschen bringen", so der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Bernhard Rohleder.

    Die EU-Kommission und Verbrauchervertreter halten mit dem Vorwurf völlig überzogener Gebühren entgegen. Diese lägen um das Tausendfache über den tatsächlichen Kosten und seien nicht mehr zeitgemäß. Ob Kroes' Vorstoß eine Chance hat, wird sich am Donnerstag bei einer Abstimmung in der EU-Kommission entscheiden. Sollte das Gesetz diese passieren, wäre noch die die Zustimmung des EU-Parlaments und der Mitgliedsstaaten nötig.

    Claudia Tourelle  
    Autor:
    Claudia Tourelle
    Datum:
    10.09.2013
    Tags:
    Roaming, EU-Kommission, Mobilfunkanbieter, BITKOM, Roaminggebühren, Neelie Kroes, Gesetzentwurf, Kurzzeitvertrag

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