Samsung: iPhone war keine Revolution

  • 01082012
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    © apple.com

    Im kalifornischen San Jose findet derzeit der größte Prozess im weltweiten Rechtsstreit zwischen Samsung und Apple statt. Der iPhone-Hersteller wirft Samsung vor, bei der Entwicklung seiner extrem erfolgreichen Galaxy-Serie das iPhone kopiert und so den Verkauf des Apple-Smartphones beeinträchtigt zu haben.

    Die Kalifornier fordern deshalb Schadensersatz- und Lizenzzahlungen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar.

    In den ersten Verhandlungstagen konnten Apples Anwälte nun ihre Argumente vortragen.

    Apple präsentiert sich als Innovationsmotor

    Den Angriff leitete man mit der Zeugenaussage des Apple-Designers Christopher Stinger ein. Stinger legte dabei die Entstehung von Apples neuen Produkten dar. Das Designteam sei nur etwa 15 Personen stark, würde sich bei Entwicklung gemeinsam an einen "Küchentisch" setzen und ständig in Verbindung mit der Firmenleitung stehen. Die Arbeitsatmosphäre erinnere an ein kleines Unternehmen, so der Designer. Seine Aufgabe sei es, sich Produkte vorzustellen, die nicht existieren und diese zum Leben zu erwecken. Mit dem iPhone wäre das auf revolutionäre Weise gelungen, erklärte Stinger weiter.

    Ziel der Anwälte war es, der Jury so den Mythos Apple zu vermitteln und das Unternehmen als führenden Innovator darzustellen. Kurz darauf präsentierte man eine Reihe von Samsung-Handys, die vor und nach der Veröffentlichung des iPhones vorgestellt wurden. Die Auswahl erweckte den Eindruck, Samsungs Designs hätten sich schlagartig von herkömmlichen Tastentelefonen zu Handys mit großen, berührungsempfindlichen Displays gewandelt. Samsung habe die Möglichkeit gehabt, die Herausforderung des iPhones anzunehmen oder es schlicht zu kopieren. Zu kopieren, sei allerdings einfacher gewesen, kommentierte Apples Anwalt Harold McElhinny den Richtungswechsel.

    Samsung wirft Apple Selbstüberschätzung vor

    Samsungs Rechtsvertreter entgegneten diesem Vorwurf, Apple würde die eigene Innovationskraft und den Einfluss auf die Mobilfunkbranche übertrieben darstellen. Leistungsfähigere Komponenten hätten die Entwicklung von Touchscreengeräten erst möglich gemacht. Apples Design sei deshalb nicht revolutionär, sondern eher evolutionär. Zudem habe nicht nur Samsung ähnliche Geräte auf den Markt gebracht. Vielmehr habe sich die ganze Branche in diese Richtung bewegt. Nach Ansicht von Samsungs Anwälten kann auch deshalb vom Kopieren keine Rede sein. Die Koreaner seien zudem keine Neulinge, die versuchen würden, mit Imitaten Erfolg zu haben.

    Um das zu belegen, wollte Samsung eine Reihe von Designs vorlegen, die vor der Veröffentlichung des iPhone entstanden sein sollen. Das Gericht lehnte diese jedoch als Beweismittel ab, woraufhin Samsung die Dokumente an die Presse weiterleitete. Dieser gewagte Schritt könnte nun ernsthafte Konsequenzen haben, da er als Versuch der Beeinflussung der Jury durch die Medien gewertet werden kann. Deren Mitglieder sind dazu verpflichtet, ihr Urteil einzig auf Basis der Informationen aus der Verhandlung zu fällen. Apples Anwalt sprach deshalb von einer "unverfrorenen Missachtung des Gerichts".

    Lasslo Franke  
    Autor:
    Lasslo Franke
    Datum:
    01.08.2012
    Tags:
    Apple, Samsung, Smartphone, Apple iPhone, Patentrechtsstreit, Klage

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